CMC (Computer Mediated Communication) oder doch FTF (Face-to-Face), das ist hier die Frage!

Heute eine Reflextionsaufgabe zu „Formen netzbasierter Wissenskommunikation und Kollaboration“.

„Denken Sie an die von Ihnen erlebte Online-Kommunikations-Situationen und reflektieren Sie in Ihrem Blog auf Basis Ihrer Erfahrungen, inwieweit Sie für sich Problemfelder in der Online-Kommunikation ausmachen konnten oder welche Vorzüge sie zur klassischen Face-to-Face- Kommunikation hat.“

Viele Jahre lang kommuniziere ich nun schon online. Das Warum habe ich bisher eigentlich noch gar nicht so richtig hinterfragt. Ich habe es einfach getan. Mein erster Gedanke beim Lesen der Reflexionsaufgabe war, dass es durchaus einige Vorteile der Online-Kommunikation gegenüber der Face-to-Face Kommunikation geben muss – sonst würde ich es ja nicht solange unhinterfragt tun. Und siehe da, mannigfaltige Vorteile tun sich auf. Ich habe doch gerade wieder mit meinem Cousin gemailt. Face-to-Face wäre doch relativ schwierig bei gut 1600 km Distanz. Und letzt hatte ich Probleme mit meinem Handy. Da finde ich nirgends Informationen, wie ich die Probleme lösen kann und in meinem Bekanntenkreis gibt es auch keinen Experten. Da habe ich in ein Fachforum geschrieben (nachts um halb eins) und mich dann schlafen gelegt. Am nächsten Tag eine Antwort da. Die Antwort wurde um ca. fünf Uhr morgens geschrieben. Dank der Möglichkeit der asynchronen Kommunikation musste ich aber nicht nachts über vier Stunden an meinem Rechner auf eine Antwort lauern. Ich denke auch, dass die Möglichkeit der reviewability und revisability mir so manches Mal die Arbeit leichter gemacht hat. So wurden Emails, die in einem fast cholerischen Zustand geschrieben wurde, nach dem zweiten oder dritten Lesen wieder humaner formuliert und Konflikte wurden verhindert. Auch gab es häufiger die Möglichkeit auf per Email ausgetauschte Beschlüsse zu referenzieren, was so manche Diskussion verkürzt oder entschärft hat.

Mir zeigen sich also einige Stärken in der Online-Kommunikation gegenüber der Face-to-Face-Kommunikation.  Die da unter Anderem die Distanzüberbrückung, die Möglichkeit zur asynchronen Kommunikation, die Möglichkeit zur Überarbeitung und die Archivierbarkeit wären.

Aber gab es auch Situationen, bei denen sich für mich Nachteile gegenüber der Face-to-Face-Kommunikation ergeben haben? Ja!

Vor einigen Jahren habe ich mich in einigen Chat-Communities aufgehalten, in denen ich Erfahrungsaustausch zu meinen Sportarten und zu Computerspielen betrieben habe. Es gab dabei sehr häufig Probleme mit dem Thema Ironie. Aus meiner Sicht muss eine gutes Gespräch auch immer mit durch ein wenig Humor geprägt sein – auch online. Oft hat sich dabei aber das Problem ergeben, dass trotz Kennzeichnung durch entsprechende Smileys o. ä.  nicht klar geworden ist, dass ein Scherz ein Scherz war und Gesprächspartner beleidigt waren. Dies lässt sich in der Face-to-Face-Kommunikation meist durch nonverbale Cues verhindern. Und genau hier liegt für mich der primäre, aber auch entscheidende Unterschied zwischen FTF-Kommunikation und CMC. Es fehlen persönliche Eindrücke, die im Rahmen der CMC nur rudimentär oder gar nicht wahrnehmbar sind. Gerade diese Eindrücke prägen aus meiner Sicht ein gutes Gespräch.

So lautet mein Fazit: CMC macht zum Informationsaustausch und bei Notwendigkeit (z.B. Distanzüberbrückung) durchaus Sinn, FTF-Kommunikation macht aber mehr Spaß und Spaß bringt aus meiner Sicht auch meist Ergiebigkeit.