An seinen Aufgaben wächst nicht nur ein Mensch, nein, auch ein Blog

Mein Blog dient heute mal wieder als Werkzeug für eine Reflektionsaufgabe. Ich gehe auf den Didaktikentwurf (Große Didaktik) von Comenius ein.

 

Comenius bezeichnet die Grosse Didaktik als „die vollständige Kunst, alle Menschen alles zu lehren“. Diese Aussage für sich alleine stehend ist aus meiner Sicht eine These, die eher zum Schmunzeln als zum Nicken verleitet. Die Formulierung des Anspruches auf die Vermittlung von „Allem“ ist ob der Unendlichkeit von Wissen natürlich nur als Werkzeug des „attention-gettings“ auszulegen.

Betrachtet man nun die ausführlicheren Darstellungen von Comenius und bedenkt in Bezug auf die sehr plakativen ersten Worte, dass ohne Provokation kaum Reaktion zu erreichen ist, so relativiert sich das anfängliche Schmunzeln zu einem nachdenklichen Stirnrunzeln.

Das Ziel seiner Didaktik ist also, dass „die gesamten Jugend [..] rasch, angenehm und gründlich [..] zu allem, was für dieses und das künftige Leben nötig ist, angeleitet werden kann“. Kernaussage ist also, dem Lernenden alles nötige Wissen beizubringen. An dieser Stelle könnte nun über das nötige Wissen diskutiert werden, was jedoch ausufernd und nicht zielführend wäre. Ich laufe jedoch konform mit der Aussage. Zumindest unter der Annahme, dass in der Zielsetzung der Didaktik dieser Anspruch – das nötige Wissen beizubringen – erhoben werden sollte.

Auch die Aussage, die „Grundlage in der Natur der Sache“ zu zeigen und die „Wahrheit durch Vergleichsbeispiele aus den mechanischen Künsten“ darzureichen spiegelt den je modernen Gedanken des Verbindens von Theorie und Praxis wieder. Hier sollte den Gedanken des Herren Comenius in Anbetracht der Zeit, in der er sie verfasst hat, Applaus gespendet werden. Selbst die Forderung nach detaillierter zeitlicher und methodischer Unterrichtsplanung ist den Worten von Comenius zu entnehmen: „REIHENFOLGE nach Jahren, Monaten, Tagen und Stunden festgelegt und schließlich der WEG gewiesen wird, auf dem sich alles leicht und mit Sicherheit erreichen läßt.“

Zusammenfassend ist herauszustellen, dass Comenius anfänglich durch seine fordernden Aussagen Skepsis weckt, er jedoch in seinen Thesen ein durchaus modernes, gar wünschenswertes Bild von Didaktik aufzeigt.

Ich schließe mit einem längeren Zitat: „ERSTES UND LETZTES ZIEL UNSERER DIDAKTIK SOLL ES SEIN, die Unterrichtsweise aufzuspüren und zu erkunden, bei welcher die Lehrer weniger zu lehren brauchen, die Schüler dennoch mehr lernen; in den Schulen weniger Lärm, Überdruß und unnütze Mühe herrsche, dafür mehr Freiheit, Vergnügen und wahrhafter Fortschritt; in der Christenheit weniger Finsternis, Verwirrung und Streit, dafür mehr Licht, Ordnung, Friede und Ruhe.“

Wer, gerade unter Lehrenden, vermag diesem zu wiedersprechen?

 

Allgemeine Didaktik – mein Verständnis in maximal drei Sätzen:

Allgemeine Didaktik bietet über Paradigmen und Modelle unterschiedliche Ansatzpunkte und Methoden zur Gestaltung von Lehrangeboten/Lehrtätigkeiten. Sie bietet Lehrenden im weitesten Sinne Anhaltspunkte zur wissenschaftlichen Untermauerung ihrer Tätigkeiten und lässt sie aus der Erfahrung mehrerer Jahrhunderte schöpfen. Aus meiner Sicht ist sie für Lehrende nicht Vorlage, sondern Stütze im Tun.